Der zweite Lebensort

Die neue alte Idee…

Wenn es in der Familie nicht mehr so läuft, wie es eigentlich laufen sollte. Wenn Krisen, Schulden, Belastungen und Krankheiten sich häufen und den Eltern über den Kopf wachsen.

Frau mit Schulden und Rechnungen Wenn man einfach nicht mehr zu Rande kommt. Wenn man den eigenen Kindern einfach nicht das geben kann, was sie eigentlich brauchen. Wenn die Überlastung chronisch wird, dann….

  • haben früher oft Nachbarn, Freunde und Verwandte unterstützt
  • sich um die Kinder gekümmert
  • mal mitgekocht
  • mit den Kindern Hausaufgaben gemacht
  • gefördert oder getröstet
  • und die Kinder konnten auch mal dort übernachten.

Viele der Familien, die eine Familienhilfe bekommen und bei denen es manchmal auf der Kippe dazu steht, ob die Kinder weiter zu hause leben können, haben aber kaum Verwandte, die sie positiv unterstützen können und es fehlen ihnen auch andere Unterstützungssysteme im direkten Umfeld.

 

Wir haben es immer wieder mit Familien zu tun, in denen Bindung und Beziehung zwischen den Eltern(-teilen) und ihren Kindern in vielen Bereichen noch gut funktionieren; wir sehen, dass die Kinder viele positive Dinge von zu Hause mitbekommen haben und trotzdem können die leiblichen Eltern nicht umfassend für ihre Kinder sorgen. Entweder weil sie z.B. durch chronische psychische Erkrankungen phasenweise in ihrer Erziehungsfähigkeit eingeschränkt sind, oder weil sie bestimmte Versorgungsleistungen nicht ausreichend wahrnehmen können.

Hier ist einerseits die klassische Familienhilfe (SPFH) nicht ausreichend, weil die fehlenden Kompetenzen oft nicht über eine ambulante Maßnahme aufgebaut bzw. ersetzt werden können, andererseits ist eine dauerhafte Fremdunterbringung aber nicht angeraten bzw. findet auch nicht die Zustimmung der Familie.

Früher haben in solchen Situationen die Großfamilienmitglieder, Nachbarn oder Gemeindemitglieder unterstützende Funktion übernommen. Heute sind diese Strukturen kaum noch aufzufinden und häufig stehen belastete Familien relativ allein da.

Co-Familien classicDie Resilienzforschung zeigt, dass es für Kinder psychisch kranker Eltern aber auch für Kinder aus Familiensystemen, die aus anderen Gründen instabil sind, besonders wichtig ist, ein anderes stabiles und verlässliches erwachsenes Bezugssystem zu haben, in dem sie Kind sein können und in dem sie andere Bewältigungsmuster kennenlernen können. Kindern ein Co-Familiensystem an die Seite zu stellen, kann hier ein – bisher in Deutschland noch relativ wenig probiertes – Mittel sein, den Kindern eine entscheidende Ressource zur Verfügung zu stellen und ihnen gleichzeitig ihr Herkunftssystem zu erhalten.

Die Idee, dass Kinder grundsätzlich in singulären Familiensystemen aufwachsen, ist in der heutigen Gesellschaft ein vertrauter Gedanke. Die andere Idee, dass ein gesundes Aufwachsen von Kindern in mehreren Familiensystemen möglich ist, ist keine grundsätzlich neue, jedoch eine ungenutzte und damit ungewohnte Möglichkeit. An dieser Stelle setzt die JuFa an und möchte die Idee der multiplen Familiensysteme erschließen und nutzbar machen. Und so entsteht das Konzept der Co-Familien.