Sozialpädagogisch betreutes Wohnen

Seit April 2018 bieten wir auch Sozialpädagogisch betreutes Wohnen (SBW) für junge Menschen ab 16 Jahren an. Bestehende Wohnungen halten wir vor in Selm, Unna-Königsborn und Dortmund.

Bei den Wohnungen handelt es sich um 2-er WGs. Ein Betreuungsschlüssel ist möglich von 1:1,9 bis hin zu 1:5 in der Verselbständigung. Auch eine ambulante Nachbetreuung in eigenem Wohnraum ist denkbar.

Sowohl junge Menschen im Übergang aus einer Wohngruppe als auch Jugendliche, die von zu Hause kommen und im SBW betreut werden sollen, sind bei uns herzlich willkommen!

Idee

Diesen belasteten Jugendlichen möchten wir mit dem Angebot des sozialpädagogischen betreuten Wohnens eine Möglichkeit geben, sich weiter zu verselbstständigen. Ihnen soll ein Raum zur Entfaltung sowie zur Erprobung ihrer Stärken geboten werden, um somit ihre Auffälligkeiten und oftmals multifaktoriellen Problemlagen immer weiter abzubauen.

Die Jugendlichen können zum einen notwendigen Abstand zu ihren belasteten Herkunftssystemen bekommen. Eine sichere Umgebung und professionelle Fachkräfte sollen ihnen eine Basis geben, um Probleme in Angriff zu nehmen und diese immer besser zu bewältigen. Sie werden dazu angeregt, sich kritisch mit ihrer Herkunft auseinander zu setzen und sich angemessen zu ihrem Bezugssystem zu verhalten. Unter anderem durch eine solche kritische Auseinandersetzung schreiben sie fortwährend an ihrer eigenen Biographie weiter und entwickeln eine eigene Lebensperspektive. Sie sollen lernen sich zu positionieren und von ihrem Familiensystem abzugrenzen. Dennoch kann das Herkunftssystem als wichtige Bezugsinstanz für die Jugendlichen bestehen bleiben und wird, wenn möglich, immer wieder in den Hilfeprozess einbezogen.

Zum anderen sollen die Jugendlichen in ihrer Verselbstständigung maßgeblich gefördert werden. Sie lernen ihren Haushalt, ihren Alltag, schulische sowie gesundheitliche Belange zunehmend alleine zu regeln. Ziel ist es, die Verselbstständigung der Jugendlichen ernst zu nehmen, ihnen ihre Freiräume zu geben und sie individuell dort zu unterstützen, wo sie es benötigen. Um diesen Aspekt bestmöglich zu erfüllen, bedarf es zusätzlich einer regelmäßigen Überprüfung anhand bewährter Materialien zur Selbständigkeitsüberprüfung, wie zum Beispiel selbstentwickelter, innovativer Bögen, die sowohl von den jungen Menschen, wie auch von den Fachkräften ausgefüllt werden, so dass eine reflektierende Einschätzung auch für die Jugendlichen selbst entwickelt wird. Durch die Parallelität von Freiraum und Struktur können die Jugendlichen auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden; sie lernen Pflichten zu übernehmen, ihren Alltag selbstständig zu organisieren und zugleich zunehmend alleine zu bewältigen.

Das Angebot wird eng mit der Selbsthilfe der Jugendlichen verknüpft und ermöglicht es die professionelle Hilfe immer weiter zu reduzieren, um somit die Jugendlichen nach Beendigung der Hilfe als selbstständige, verantwortungsvolle Erwachsene erleben zu können. Gerade für junge Erwachsene, die die Jugendhilfe nach lang etablierter Hilfe verlassen, ist es entscheidend sich in einem ausreichendem Umfang zu verselbstständigen, so dass sie bei neu aufkommenden Herausforderungen nicht auf dysfunktionale Problembewältigungsstrategien zurückgreifen, die sie in problematische Situationen zurückbefördern. Eine wirkmächtige Unabhängigkeit von der Hilfe ist das dahinterstehende Ziel. Die Jugendlichen bekommen während des gesamten Hilfeprozesses die Möglichkeit sich als selbstwirksam und lebenstüchtig zu verstehen und dabei ihre Biographie selbst zu gestalten ohne in diesem Prozess allein gelassen zu werden. Je nach Fähigkeiten und Möglichkeiten des Jugendlichen ist dadurch eine Phase des allmählichen „Loslassens“ im Gegensatz zu einem abrupten „Fallenlassens“ möglich.

Das gesamte Konzept finden Sie hier.